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Wien im Bio Trend: Worauf achten bei Bio Lebensmittel?

Auch in Wien gibt es Gärten. Nicht nur in den Villenvierteln, auch in den verschiedenen Kleingartenanlagen freuen sich Gärtner über ein kleines Stück eigenes Grün. Aktuell gibt es in einigen Parks bereits sogenannte Nachbarschaftsgärten. Kleine Vereine, die von der Gemeinde einen Bereich, meist in einem Park, zur Verfügung gestellt bekommen. Dort können Anwohner sich anmelden und einen Teil eines Hochbeets bewirtschaften. In diesen Gärten, aber auch in den Kleingärten, in denen es Gemüsebeete gibt, sieht man eine Sache niemals. Gärtner, die mit Gasmaske durch ihren Garten laufen und im großen Stil bedenkliche Substanzen ausbringen um ihren Ertrag zu steigern. Sieht man sich die konventionelle Landwirtschaft an, sieht das schon anders aus. Schädlinge werden bekämpft und Felder werden gedüngt. In der biologischen Landwirtschaft ist das ein wenig anders. Was steckt eigentlich hinter dem Bio Trend und worauf muss man achten, wenn man Bio Lebensmittel kauft?

Konventionelle Landwirtschaft

Eine Landwirtschaft ist denselben marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen, wie jeder andere Betrieb. Angebot und Nachfrage sorgen für den Preis. Die Menge multipliziert mit dem Preis ergibt den Umsatz. Abzüglich der Ausgaben bleibt dann der Gewinn zum Leben und zum Erhalt des Betriebs. Den Preis kann der Bauer kaum beeinflussen. Den machen die Händler und nicht zuletzt wir. Wenn wir für Tomaten nicht mehr als 1 Euro pro Kilogramm bezahlen wollen, dann muss in der Produktion gespart werden. Es kann sich nur rechnen, wenn man Unmengen an Tomaten produziert. Dank moderner Düngemittel kann ein Feld intensiv bewirtschaftet werden und viel Ertrag liefern. Weil es nahe liegt, das Maximum an Ertrag aus dem Boden zu holen, wird natürlich alles getan um das Wachstum der Pflanzen zu steigern.

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Organischer Dünger, statt chemischen Stoffen kommt in der Biologischen Landwirtschaft zum Einsatz

Nitratbelastung

Weil die Bauern es aber übertreiben und nicht alles, was da mit den Traktoren auf die Äcker aufgebracht wird, von den Pflanzen verwertet wird, gelangt Nitrat ins Grundwasser. Über das Trinkwasser gelangt das Nitrat in unseren Körper und wird dort zu Nitrit umgebaut. Das Nitrit greift die roten Blutkörperchen an und stört den Sauerstofftransport. Besonders für kleine Kinder, aber auch Erwachsene mit Vorbelastung, wie einer Krankheit, oder einer Schwangerschaft ist Nitrat im Trinkwasser besonders gefährlich. Aber nicht nur bei der Düngung übertreibt die Landwirtschaft und belastet unsere Lebensmittel. Auch bei der Tierhaltung kommen Substanzen zum Einsatz, die später auf unseren Tellern landen. Allen voran sind Antibiotika im Einsatz. Die Tiere werden damit vorbeugend über das Futter versorgt um Krankheiten, die durch schlechte Haltungsbedingungen gefördert werden, zu vermeiden. Die ständige Antibiotikazufuhr über das Fleisch, das wir essen, macht uns resistent.

Bio Lebensmittel

Bio Lebensmittel sind eine Alternative zu diesen belasteten Lebensmitteln. Biologische Landwirtschaft ist heute schon nichts mehr für Ideologen. Der Begriff Bio lässt vor dem geistigen Auge ganz bestimmte Bilder entstehen. Man hat alternativ gekleidete Ökos in Birkenstock-Schlapfen und Strohhut im Kopf und stellt sich vor, wie sie händisch einen Weidekorb mit ihrer Ernte füllen um ihn anschließend mit der Pferdekutsche zurück zu ihrem Hof zu bringen. Dieses Bild ist falsch, denn Bio ist heute keine Überzeugung mehr, sondern eine Möglichkeit mit höherer Qualität mehr Geld zu verdienen. Blättert man im Merkur Flugblatt, dann wird man feststellen, dass jedes zweite Produkt als Bio gekennzeichnet ist. Die Ware ist grundsätzlich teurer, als Lebensmittel, die nicht als Bio gekennzeichnet sind. Aber was ist der Unterschied?

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Ob Bio, oder nicht kann man nicht sofort erkennen

EG-Ökö-Verordnung

Die „Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91“, wie die EG-Öko-Verordnung korrekt heißt, regelt, was in der EU als Bio bezeichnet werden darf. Außerdem wird darin festgelegt, dass folgende Begriffe nur auf Produkten verwendet werden dürfen, die der EG-Öko-Verordnung entsprechen:

  • Bio-
  • Öko-
  • biologisch
  • ökologisch
  • kontrolliert ökologisch
  • kontrolliert biologisch
  • biologischer Landbau
  • ökologischer Landbau
  • biologisch-dynamisch
  • biologisch-organisch

Liest man einen solchen Begriff, also beispielsweise Bio-Kartoffeln, oder Kartoffeln aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft im Billa Flugblatt, oder direkt auf der Ware, dann ist klar, dass man sich bei der Herstellung an bestimmte strenge Regeln gehalten hat.

Das Bio-Siegel

Das Europäische Bio-Siegel legt fest, dass Lebensmittel, die damit ausgezeichnet werden, gemäß der Regeln der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Damit darf beispielsweise kein gentechnisch verändertes Saatgut zum Einsatz kommen, kein synthetisches, oder leicht lösliches mineralisches Düngemittel verwendet werden und der Boden nicht augebeutet werden. Eine ordentliche Fruchtfolge ist in der Verordnung festgehalten. In der Tierhaltung sind Stall- und Freiflächen geregelt, ökologisches Futter vorgeschrieben und der Einsatz von Antibiotika und leistungssteigernden Futterzusätzen verboten. Neben dem EU-Siegel gibt es in den Mitgliedsländern auch eigene Siegel. In Österreich ist das das AMA-Biosiegel, das noch härte Auflagen hat, als das EU-Siegel. Die Kennzeichnung beschränkt sich aber nicht nur auf die Rohstoffe. Auch verarbeitete Lebensmittel können Bio-zertifiziert sein. Damit sie das Bio-Siegel tragen dürfen, müssen mindestens 95% der Inhaltsstoffe aus biologischer Landwirtschaft stammen.

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Ein freilaufender Hahn ist eine Seltenheit

Geld, oder Leben

Bio ist teurer als andere Lebenmittel. Oberflächlich betrachtet sieht das Brot, oder das Schnitzel absolut gleich aus. Hinter Bio muss nicht zwingend ein geschmacklicher Vorteil stecken. Bio ist aber eine Garantie dafür, dass bei der Herstellung des Lebensmittels strenge Auflagen eingehalten wurden. Vieles ist verboten und vieles vorgeschrieben. Nur wer alle Auflagen erfüllt darf Bio auf seine Produkte schreiben. Es steckt also keinesfalls dasselbe Produkt zu einem höheren Preis dahinter. Zu Recht gibt es nun einmal bedenken Schädlingsbekämpfungsmittel und gentechnisch verändertes Saatgut einzusetzen. Man kann negative Folgen auf uns nicht ausschließen. Biologische Landwirtschaft ist weniger romantische, als man es erwartet und auch eine Fabrik, die Bio-Produkte herstellt, ist eine Fabrik. Trotzdem stecken weniger, potentiell gefährliche Inhaltsstoffe in den Produkten.

Nachhaltig

Die Landwirtschaft baut heute häufig auf Ausbeutung. Ob es die Milchkuh ist, die ein paar Jahre Höchstleistungen bringt, bevor sie zu Suppenfleisch verarbeitet wird, oder ob der Acker immer wieder mit Kunstdünger aufgeputscht werden muss, damit auch im nächsten Jahr wieder etwas wächst. Jeder von uns kennt die erschreckenden Bilder, die Aktivisten Nachts in den Legebatterien der Hühnerfarmen aufnehmen. Will man die Ausbeutung der Natur auf unsere Kosten verhindern, dann kostet das etwas. Ein Ei kann man nur dann für ein paar Cent bekommen, wenn dafür ein Tier ein Leben lang leidet. Die Semmel vom Discounter ist das Ergebnis synthetischer Inhaltsstoffe und Mehl, das ohne Rücksicht auf den Boden und die darin lebenden Organismen erzeugt wurde. Zahlt man stattdessen das drei- bis zehnfache für Bioprodukte, dann kann man sicher sein, dass alles getan wurde, die Ressourcen zu schonen.

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Es sind die Insekten, die aktuell verschwinden. Steuern wir nicht dagegen, wird es über kurz, oder lang auch uns treffen

Zeit für Bio

Es ist ein alter Hut, dass die Windschutzscheibe auf der Autobahn nicht mehr so verschmutzt, wie noch vor 10 Jahren. Insekten sind selten geworden. Die Nahrungskette zerreißt, weil die schwächsten Glieder angegriffen werden. Mikroorganismen und Insekten leiden aus erster Hand an den Bedingungen. Schon heute schlagen Experten Alarm, weil Vogelarten im großen Stil verschwinden. Die Uno hat einen alarmierenden Bericht veöffentlicht. 23 Prozent der Landfläche sind ökologisch heruntergewirtschaftet. Die steigenden Temperaturen bedrohen 5 Prozent der Arten und insgeamt ist das Artensterben lt. dem Uno-Bericht zehn bis Hunderte male höher, als in den letzten zehn Millionen Jahren! Biologische Landwirtschaft ist ein Weg, gegenzusteuern. Wir alle können mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln etwas bewegen und die umweltschonende und gesunde Produktion von Lebensmitteln fördern. Insekten sterben als Erste. Dadurch fehlen den Pflanzen Bestäuber und den Vögeln die Nahrung. Immer weiter zieht sich das sterben durch die Nahrungskette, bis schließlich die Spitze der Nahrungskette erreicht ist und das Verhungern dort angelangt ist. An der Spitze stehen wir und unsere Kinder.

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