Kultur, What to do in Vienna, Wiener Menschen

Frauenspaziergänge durch Wien

An Frauen erinnern und sie sichtbar machen ist was Petra Unger mit ihrem Projekt „Frauenspaziergänge“ bezwecken möchte. Vor 20 Jahren hat sie begonnen anderen einen neuen Blick auf unsere Geschichte zu zeigen, die von der Perspektive, welche allein von der „weißen männlichen Elite“ gemacht wurde, abweicht. Sie erzählt die Geschichte der weiblichen Protagonistinnen, die nicht erzählt wird.

Frauen und Männer haben die Menschheitsgeschichte geprägt.
Mindestens die Hälfte der sichtbaren Geschichte wurde von Frauen durch ihre Arbeit, ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Kreativität geschrieben.
Aber kaum etwas erinnert an sie.
Kaum Informationen über Frauen in den Geschichtsbüchern, selten Erinnerungen an Frauen im Stadtbild, wenige Gedenktafeln und noch weniger Denkmäler.

Insgesamt gibt es 50 verschiedene Routen, 1300 Seiten unveröffentlichte Dokumentation, welche 8 der 23 Wiener Gemeindebezirke abdeckt. Aber der Rest soll noch kommen und soll nicht vergessen sein. Motivation für die Frauenspaziergänge kam vor 20 Jahren aus Petra Ungers eigenen Betroffenheit als Frau heraus, weil sie bemerkte, dass kaum Geschichte mit/über Frauen erzählt wurde. Also begann sie mit ihrem Projekt und versucht bei den Teilnehmern etwas zu bewegen sowie das eigentlich Selbstverständliche zu hinterfragen. Sie wirft einen neuen Blick auf unsere altbekannte und überall gelehrte Geschichte der Stadt Wien und zeigt ihre doch wesentlich höhere Vielfalt.
Die Themen
Es geht um viele verschiedene Frauen und viele verschiedene Themen. Die ersten Frauen im Parlament, Sexarbeit, Künstlerinnen, Modemacherinnen, Fotografinnen, Wissenschafterinnen, Frauenrechtlerinnen und noch viel mehr. So ebenfalls die „Marktweiber“ am Naschmarkt, die lesbischen Frauen in Wien, Tabakarbeiterinnen, Aktivistinnen und Dienstmädchen kommen nicht zu kurz und finden die ihnen zustehende Beachtung.  Themen sind der Widerstand, die Aufmüpfigkeit, „einen Scheiß aufs Establishment geben“, vereint auf die Straße gehen, Gleichberechtigung, Mädchenbildung sowie Frauenrechte. Die Frauenspaziergänge zeigen die Rolle der Frau bezüglich der religiösen Toleranz in Wien, den Kampf ums Überleben, Antisemitismus, Klassenkampf und Friedensbewegungen. Die Frauen Wiens ließen die Geschichte nicht einfach passieren und passten sich an. Sie machten ihre Gegenwart so wie sie es wollten – ebenso wie es das „starke Geschlecht“ in der Geschichte tat. Petra Unger erzählt uns diese Vergangenheit, die wir nicht kennen, und gibt uns neue Perspektiven auf unsere Geschichte. Einen besonderen Vorzug gibt sie keiner der Lebensläufe, die sie erzählt. Sie sagt selbst, dass sie immer wieder etwas herausholen konnte – eine faszinierende Facette oder ein sinnstiftendes Moment oder auch einen ganz besonderen Bezug zu dieser Person.

Ihre Motivation
Eines ihrer Highlights von den 20 Jahren Frauenspaziergängen war, dass eine Frau zu ihr sagte:

Endlich hat die Stadt etwas mit mir zu tun. Jetzt bin ich nicht mehr fremd in dieser Stadt.

Genau das – etwas bewirken – ist, was sie mit ihrem Projekt bezwecken möchte. Frauen, die miteinander ins Gespräch kommen, diskutieren und etwas hinterfragen. Dann ist ein Spaziergang für sie erfolgreich. Auch deswegen, aber noch mehr, weil die Emanzipation und das Sichtbarmachen von Frauen noch nicht vorbei ist bzw. es sein darf, hat sie nicht vor so bald damit aufzuhören. Viele Frauen, aber auch einige Männer, besuchen ihre Spaziergänge um zu hören, wie Petra Unger Bezirksgeschichte neu erzählt. „Also ich wundere mich immer wieder, dass so viele kommen und, dass so viele so lang dabei bleiben, da es ja doch immer 2- 2,5 Stunden dauert,“ sagt sie in einem Interview, das ich mir ihr für die Uni geführt habe und ihr hier nachlesen könnt.

Es gibt so viel Geschichte, die ohne Petra Unger unerzählt bleiben würde. So viele Geschichten und Erfolgsstories von denen wir sonst nie etwas mitbekommen hätten. Einer Geschichte, die so viel mehr ist als nur Könige, Ritter, Politikern und Männern in vielen anderen Positionen. Denn auch Frauen waren Teil an unserer widerständischen und kämpferischen Geschichte – wir bekommen sie lediglich nicht mit.

Wie kann ich mitgehen?

Also wenn ihr jetzt auch interessiert seid daran, an einem dieser Spaziergänge teilzunehmen – und sie sind wahrlich spannend – findet ihr die aktuellen Termine für die jeweiligen Bezirke auf hier der Homepage von Petra Unger. Die meisten Touren sind gratis und von der Bezirksvorstehung finanziert. Ihr müsst euch lediglich per Mail anmelden! Falls euch ein bestimmtes Thema wie z.B. Sexarbeit besonders interessiert, gibt es auch dafür eigene Frauenspaziergänge!

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1 Comment

  1. Petra Unger

    Oktober 31, 2017 at 11:44 am

    Liebe Maxie-Renée,
    Liebe Alicja Indyk,
    Gestern beim Herumsurfen bin ich zufällig über euer Portrait meiner Arbeit gestolpert und habe mich sehr gefreut! Selten wird meine Arbeit so gut portraitiert und mit guten Fotos illustriert.
    Ich möchte mich daher auf diesem Wege bei euch sehr herzlich bedanken und werde sofort euren Artikel verlinken.
    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Petra Unger

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